+2006-10-24 Di 23:41

zweiter Tag mit Marco

Nachts ist es in Cusco (ca. 3400m Höhe) ganz schön kalt, aber nachdem wir nun eine Heizung auf dem Zimmer haben, können wir's aushalten. Es hat auch wieder ziemlich stark geregnet. Untertags ist es meist schön warm, weil die Sonne runterbrennt. Heute haben uns zwar auch dunkle Wolken gedroht, aber es blieb trocken. Noch vor dem Frühstück bekommen wir einen überraschenden Anruf von der Sozialarbeiterin Elisabeth. Wir sollen gleich zu ihr kommen, weil wir schon mit dem Papierkram anfangen müssen: Wir brauchen eine Bestätigung der Stadtverwaltung, dass Marco bisher keine Geburtsurkunde hat (das nennt sich "Constancia de No-Inscripción"), damit wir dann später eine neue Geburtsurkunde ausgestellt bekommen. Für nicht Adoptionserfahrende klingt das sicher alles noch viel verwirrender als es eh schon ist. :-)

Ausser dieser Constancia brauchen wir in Cusco aber sonst keine Papiere und können dann also gleich nach den 7 Tagen "Probezeit" nach Lima zurückfahren.

Bei der Gelegenheit erfahren wir von Elisabeth aber auch noch recht interessante Sachen. Wir erfahren, dass sie recht überrascht ist, dass der Kindervorschlag bei uns so schnell kam. Scheinbar dauert es sonst viel länger! Sie vermutet, es liegt daran, dass wir schon ein peruanisches Kind haben, wir schon (auch persönlich) bekannt sind, wir immer brav unsere Sozialberichte über Francisco geschickt haben, wir uns in Peru schon gut auskennen und auch keinen Übersetzer brauchen und dass wir ohne Representante (also ohne Adoptionsvermittlungsstelle) kommen. Aber das sind, wie gesagt, nur Vermutungen.

Elisabeth gibt uns noch Tipps, wo wir Kleidung für Marco kaufen können, die wir morgen im Kinderheim abgeben müssen, weil wir ihn ja sozusagen "nackt" übergeben bekommen. Seine jetzige Kleidung braucht das Heim verständlicherweise für die anderen Kinder. Sie empfiehlt uns den Mercado Molino, aber wir sollen dort sehr vorsichtig sein.

Dann lobt sie noch Francisco, dass er so ein liebes Kind ist und dass das viel Gutes über uns sagt, da Kinder immer so seien, wie sie ihre Eltern prägen. :-)

In der Municipalidad geht dann alles erstaunlich schnell. Es gibt keine langen Schlangen wie wir sie von Chiclayo oder Lima kennen, so dass wir dann doch noch Zeit haben, uns um unsere Mails, unseren Blog und unsere Wäsche zu kümmern. Andy kommt sogar dazu, 1 Stunde für die Firma zu arbeiten.

Nach dem Mittagessen probieren wir die Eisdiele "Heladería Italiana" in der Straße Santa Catalina aus. Eine wirklich hervorragende Empfehlung von Solveig! Leider gibt es keine milchfreie Sorte für Francisco, also bekommt er ein Steckerleis, worüber er aber auch sehr glücklich ist.

Es fehlen noch ein paar Stunden, bis wir Marco wieder besuchen dürfen, also ruhen wir uns ein bisserl am Plaza de Armas aus und machen noch einen kleinen Stadtrundgang. Für touristische Aktivitäten war ja eh noch gar keine Zeit. :-) Wir schauen uns die 12- und 13-eckigen Inkasteine an.




Pünktlich um 16:30 Uhr sind wir beim Heim "hogar transitorio de niños San José" und dürfen ganz allein 1,5 Std. mit Marco spielen. Diesmal geht er gleich ganz offen auf uns zu und lacht sofort, als er Francisco sieht. Die beiden spielen total nett Ball. Er lässt sich von uns umarmen, drücken und Späße machen. Nur wenn er seinen Kopf nicht durchsetzen kann oder den Ball nicht kriegt, weint er. Noch so ein Sturkopf in der Familie! (-:




Marco versteht und reagiert auf alles, was wir ihm sagen. Er redet noch kaum etwas, aber einmal sagt er "Pap" zu Andy! Als Andy "Dame cinco" (gimme five) zu ihm sagt, schlägt er lachend ein. :-)

Er weigert sich, seine Jacke oder Schuhe (zum Abmessen) auszuziehen. Damit verbindet er wohl noch viel zu sehr die Heimschwestern, vermuten wir. Mit dem Bärchen, das ihm Francisco gestern so lieb geschenkt hat, kann er immer noch nicht viel anfangen. Um 18 Uhr sind wir alle miteinander ziemlich müde und Marco geht heute recht gerne mit der Madre zurück zum Abendessen und seinem Bett. (das wir morgen besichtigen und fotografieren dürfen)




Wir lassen den Abend in der Pizzeria Carlo ausklingen, die uns noch von unserem letzten Cusco-Besuch als sehr gut in Erinnerung ist. Francisco freundet sich gleich mit dem Pizzakoch Teo an und redet relativ viel auf Spanisch mit ihm. Andy hilft ihm zwar durch Einsagen, aber er ergänzt selbständig und es macht ihm richtig Spaß. Wir sind stolz auf unseren Sohn!

Mehr Fotos zu unserem zweiten Tag mit Marco findet ihr hier: http://familie.spiegl.de/fotos/2006-10-24.zweiter.Tag.mit.Marco/

Posted by Andy Spiegl | Permanent Link | Categories: Adoption

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