zweiter Tag mit Marco
Nachts ist es in Cusco (ca. 3400m Höhe) ganz schön kalt,
aber nachdem wir nun eine Heizung auf dem Zimmer haben, können
wir's aushalten. Es hat auch wieder ziemlich stark geregnet.
Untertags ist es meist schön warm, weil die Sonne
runterbrennt. Heute haben uns zwar auch dunkle Wolken gedroht, aber
es blieb trocken. Noch vor dem Frühstück bekommen wir
einen überraschenden Anruf von der Sozialarbeiterin Elisabeth.
Wir sollen gleich zu ihr kommen, weil wir schon mit dem Papierkram
anfangen müssen: Wir brauchen eine Bestätigung der
Stadtverwaltung, dass Marco bisher keine Geburtsurkunde hat (das
nennt sich "Constancia de No-Inscripción"), damit wir dann
später eine neue Geburtsurkunde ausgestellt bekommen. Für
nicht Adoptionserfahrende klingt das sicher alles noch viel
verwirrender als es eh schon ist.
Ausser dieser Constancia brauchen wir in Cusco aber sonst keine
Papiere und können dann also gleich nach den 7 Tagen
"Probezeit" nach Lima zurückfahren.
Bei der Gelegenheit erfahren wir von Elisabeth aber auch noch recht
interessante Sachen. Wir erfahren, dass sie recht überrascht
ist, dass der Kindervorschlag bei uns so schnell kam. Scheinbar
dauert es sonst viel länger! Sie vermutet, es liegt daran,
dass wir schon ein peruanisches Kind haben, wir schon (auch
persönlich) bekannt sind, wir immer brav unsere Sozialberichte
über Francisco geschickt haben, wir uns in Peru schon gut
auskennen und auch keinen Übersetzer brauchen und dass wir
ohne Representante (also ohne Adoptionsvermittlungsstelle) kommen.
Aber das sind, wie gesagt, nur Vermutungen.
Elisabeth gibt uns noch Tipps, wo wir Kleidung für Marco
kaufen können, die wir morgen im Kinderheim abgeben
müssen, weil wir ihn ja sozusagen "nackt" übergeben
bekommen. Seine jetzige Kleidung braucht das Heim
verständlicherweise für die anderen Kinder. Sie empfiehlt
uns den Mercado Molino, aber wir sollen dort sehr vorsichtig
sein.
Dann lobt sie noch Francisco, dass er so ein liebes Kind ist und
dass das viel Gutes über uns sagt, da Kinder immer so seien,
wie sie ihre Eltern prägen.
In der Municipalidad geht dann alles erstaunlich schnell. Es gibt
keine langen Schlangen wie wir sie von Chiclayo oder Lima kennen,
so dass wir dann doch noch Zeit haben, uns um unsere Mails, unseren
Blog und unsere Wäsche zu kümmern. Andy kommt sogar dazu,
1 Stunde für die Firma zu arbeiten.
Nach dem Mittagessen probieren wir die Eisdiele "Heladería
Italiana" in der Straße Santa Catalina aus. Eine wirklich
hervorragende Empfehlung von Solveig! Leider gibt es keine
milchfreie Sorte für Francisco, also bekommt er ein
Steckerleis, worüber er aber auch sehr glücklich
ist.
Es fehlen noch ein paar Stunden, bis wir Marco wieder besuchen
dürfen, also ruhen wir uns ein bisserl am Plaza de Armas aus
und machen noch einen kleinen Stadtrundgang. Für touristische
Aktivitäten war ja eh noch gar keine Zeit.

Wir
schauen uns die 12- und 13-eckigen Inkasteine an.
Pünktlich um 16:30 Uhr sind wir beim Heim "hogar transitorio
de niños San José" und dürfen ganz allein 1,5 Std.
mit Marco spielen. Diesmal geht er gleich ganz offen auf uns zu und
lacht sofort, als er Francisco sieht. Die beiden spielen total nett
Ball. Er lässt sich von uns umarmen, drücken und
Späße machen. Nur wenn er seinen Kopf nicht durchsetzen
kann oder den Ball nicht kriegt, weint er. Noch so ein Sturkopf in
der Familie! (-:
Marco versteht und reagiert auf alles, was wir ihm sagen. Er redet
noch kaum etwas, aber einmal sagt er "Pap" zu Andy! Als Andy "Dame
cinco" (gimme five) zu ihm sagt, schlägt er lachend ein.
Er weigert sich, seine Jacke oder Schuhe (zum Abmessen)
auszuziehen. Damit verbindet er wohl noch viel zu sehr die
Heimschwestern, vermuten wir. Mit dem Bärchen, das ihm
Francisco gestern so lieb geschenkt hat, kann er immer noch nicht
viel anfangen. Um 18 Uhr sind wir alle miteinander ziemlich
müde und Marco geht heute recht gerne mit der Madre
zurück zum Abendessen und seinem Bett. (das wir morgen
besichtigen und fotografieren dürfen)
Wir lassen den Abend in der Pizzeria Carlo ausklingen, die uns noch
von unserem letzten Cusco-Besuch als sehr gut in Erinnerung ist.
Francisco freundet sich gleich mit dem Pizzakoch Teo an und redet
relativ viel auf Spanisch mit ihm. Andy hilft ihm zwar durch
Einsagen, aber er ergänzt selbständig und es macht ihm
richtig Spaß. Wir sind stolz auf unseren Sohn!
Mehr Fotos zu unserem zweiten Tag mit Marco findet ihr hier:
http://familie.spiegl.de/fotos/2006-10-24.zweiter.Tag.mit.Marco/