Oktober 26, 2006 Archives

+2006-10-26 Do 23:02

vierter Tag mit Marco

Heute ist der große Tag: Wir dürfen Marco aus dem Heim mit zu uns nach Hause nehmen!

Dummerweise hat Andy es sich ganz praktisch ausgesucht, genau heute krank zu werden. Die Nacht verbringt er mehr auf dem Klo als im Bett. Trotz leichtem Fieber quält er sich in der Früh aus dem Bett und ist den ganzen Tag ziemlich schwach auf den Beinen und der Heidi leider gar keine große Hilfe. :-(

Um Punkt 9 Uhr sind wir beim Kinderheim. Die Sozialarbeiterin Elisabeth kommt wie immer zu spät, aber das stört uns heute auch nicht. Marco strahlt, spielt mit Francisco und ist dann nur etwas genervt, dass wir gar nicht mehr mit dem Unterschreiben von Dokumenten fertig werden. Nur gut dass wir das Prozedere schon ganz gut noch von Franciscos Adoption kennen.




Wir bekommen von der Schwester auch Marcos Impfpass und sogar Babyfotos! Marco darf seine Lieblingspuppe und einen Plastikschlüsselbund als Andenken an das Kinderheim mitnehmen.

Dann fahren wir alle zusammen zum Büro der regionalen Adoptionsstelle und dürfen dort noch mehr Papierkram erledigen und viele Unterschriften leisten. Die Sozialarbeiterin ist zwar schon ein bisserl chaotisch, aber auch sehr hilfsbereit und tippt uns gleich die "Carta de Aceptación", also unsere Zusage, dass wir Marco wirklich adoptieren wollen. Sonst hätten wir erst eine Internet-Cabina mit Drucker suchen müssen und uns die üblichen hochgeschraubten Formulierungen selber aus den Fingern saugen müssen.

Da auf allen Dokumenten wieder "Heidrun Maria Kaufmann" steht, fangen wir erneut eine Diskussion um deutsche und peruanische Nachnamen an, aber es ist aussichtslos. Die Peruaner akzeptieren einfach nicht, dass es in anderen Ländern andere Namensrechte gibt als in Peru. :-( Konsequent sind sie dann aber auch nicht, denn sonst müssten sie ja schreiben "Andreas Spiegl Maier" und "Heidrun Maria Kaufmann Weh". Schuld daran ist das blöde "geb. Kaufmann" in unseren deutschen Pässen, sonst wüssten sie ja überhaupt nichts von Heidis Geburtsnamen. Mit dem "geb." hatten wir schon 2000 so unsere Probleme, weil das nicht mal in einer Fußnote oder so übersetzt oder erklärt wird.

Aber fairerweise müssen wir dazusagen, dass sie uns versprochen haben, alles nur irgend Mögliche zu tun, damit Marco nicht "Spiegl Kaufmann", sondern "Spiegl Spiegl" heißt. Das hat damals auch bei Francisco geklappt und uns in Deutschland viel Lauferei und Ärger erspart.




Obwohl wir und die Kinder nun schon hundemüde sind, müssen wir noch zum Standesamt in der Municipalidad, um die "Constancias" abzuholen. Heute sind sie auch tatsächlich fertig. Aber wir müssen ziemlich lange Schlange stehen. Die Kids schlafen ein und Andy kann sich nur noch mit Mühe auf den Beinen halten. Mittags sind wir dann aber endlich daheim. Francisco ist urplötzlich gar nicht mehr müde, aber Andy legt sich sofort ins Bett und ist bis zum Abend zu nichts mehr zu gebrauchen.

Heidi kauft in der Apotheke schnell noch ein Milchflascherl und eine Zahnbürste und macht dann für beide Kinder einen Brei. Marco bekommt anschließend noch ein Flascherl und schläft damit ein.

Am Nachmittag spielen Francisco und Marco wunderbar miteinander mit Spielzeugautos und tollen im Bett herum. Francisco spricht mit Marco fast nur Deutsch, obwohl wir momentan noch versuchen, mit beiden Kindern spanisch zu sprechen. Marco macht das aber nicht viel aus. Die beiden verstehen sich auch ohne Worte bestens. Francisco sagt: "Der kleine Marco ist der süßeste von der ganzen Welt".




Es ist hier so üblich, dass die Adoptiveltern das Kind sofort von einem Arzt untersuchen lassen. Uns wird die Kinderärztin des Heims empfohlen, da sie Marco schon von Anfang an kennt. Leider bekommen wir erst um 17:30 Uhr einen Termin und müssen dann auch noch 45min warten, bis wir drankommen. Andy geht's inzwischen gottseidank schon wieder viel besser, aber Marco geht ja normalerweise um 18:30 Uhr ins Bett. Er hält aber wirklich tapfer durch!

Das Gespräch mit der Dra. Yábar während der Untersuchung (50 Soles Gebühr) ist sehr interessant. Sie kennt Marco ganz genau und kann uns noch viel mehr sagen, als wir im Heim über ihn erfahren haben. Sie weiß z.B. auch, dass er tatsächlich wg. seiner Weinkrämpfe nicht schon früher zur Adoption freigegeben wurde. Die Madre wollte ihn erst gesund bekommen. Das hat sie zwar auch gut geschafft (er hat inzwischen kaum mehr solche Anfälle), aber wir denken, dass es wahrscheinlich VIEL schneller gegangen wäre, wenn er gleich in eine stabile und liebevolle Familienumgebung gekommen wäre. Er ist - wie uns alle sagen - ein sehr sensibles Kind und hat bestimmt darunter gelitten, keine eigene Familie zu haben. Aber wir können natürlich nur vermuten und die Madre ist wirklich sehr besorgt um "ihre" Kinder und tut alles für sie. Da sie Italienerin ist, bekommt sie von dort viel Unterstützung für die Heimkinder.

Obwohl es nun schon ziemlich spät ist, brauchen wir ja noch irgendwas zum Abendessen und fahren mit dem Taxi (jede Fahrt innerhalb der Stadt kostet übrigens 2 Soles, also ca. einen halben Euro) in die "La Trattoria", wo jeder von uns genau das bekommt, was er braucht. Ein Süppchen für Andy, (milchfreie) Spaghetti für die Kinder und was "gscheits" für die Heidi. Und auch ganz flott, da der Ober unser Problem gleich erkennt. Francisco und Marco sind aber auch super brav und essen ganz toll. Als wir da so zu viert sitzen, wird uns klar, dass es jetzt also tatsächlich so weit ist, was wir uns die ganze letzte Zeit vorgestellt haben: jetzt ist die Familie komplett. Witzigerweise haben wir hiermit eine ganz neue Spiegl-Dynastie gegründet. Da Andy ja keinen Bruder hat, werden diese Spiegls in Zukunft komplett von Peruanern weitergeführt. :-)




Um 21:15 Uhr sind wir dann endlich wieder daheim. Marco ist noch erstaunlich fit und will noch mit Francisco spielen. Er hat inzwischen unseren familieninternen Witz kapiert und sagt freudestrahlend "tatu tatu" (Tatü tata), wenn ihm einer von uns auf die Nase drückt. Überhaupt kopiert er schon jetzt sehr viel von Francisco. Natürlich hauptsächlich den Schmarrn :-) Ansonsten akzeptiert er alles Neue mit einer Seelenruhe, aber er testet auch schon ziemlich pentrant unsere Konsequenz aus. Bis jetzt gewinnen noch wir. :-)

Er scheint auch sehr geduldig zu sein. Im Wartezimmer der Kinderärztin spielt er zusammen mit Andy mit einer Engelsgeduld mit einem Holzpuzzle. Francisco hätte es schon längst in eine Ecke gelegt und sich was anderes gesucht.

Marco lässt sich heute auch ganz ohne Probleme von Heidi aus- und anziehen und sogar wickeln. Beide Kids lassen sich ganz problemlos ins Bett verfrachten und schlafen schnell ein. Marco kuschelt sich zum Einschlafen ganz dicht an Heidi.




Noch mehr Bilder von heute: http://familie.spiegl.de/fotos/2006-10-26.vierter.Tag.mit.Marco/

Posted by Andy Spiegl | Permanent Link | Categories: Adoption

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