SZ vom 25. Juni 2001 [Von Eva Karnofsky] Ein Grollen - laut und unterirdisch Nach einem schweren Erdbeben in Peru mit mindestens 47 Toten und über 500 Verletzten warnen Experten vor möglichen Flutwellen. Buenos Aires - Der Süden Perus ist am Samstag (Ortszeit) von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Nach ersten Angaben des Zivilschutzes fanden dabei 47 Menschen den Tod und 544 wurden verletzt. Auf Grund der Größe des betroffenen Gebiets ist noch nichts über das gesamte Ausmaß der Schäden bekannt. Das Beben dauerte eine Minute. Ihm war ein lautes unterirdisches Grollen, vorausgegangen. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte in Colorado erreichte das Beben die Magnitude von 7,9 auf der Richterskala, das Geophysische Institut Perus gab diese aber nur mit 6,9 an. Inzwischen kam es zu über sechzig kleineren Nachbeben. Auch aus dem benachbarten Chile werden Schäden gemeldet. Aus der Küstenstadt Camana im Departement Arequipa wurde ein Meeresbeben gemeldet. Die Wellen drangen über einen Kilometer weit in den Badeort ein und richteten Verwüstungen an. Auch in Callao unweit der Hauptstadt Lima war am Samstag ein Seebeben erwartet worden, und die Behörden hatten vorsorglich die Bevölkerung aufgefordert, die Hafengegend zu verlassen. Es blieb jedoch ruhig. Im Norden des Landes kam es zu leichten Erderschütterungen. Das Beben im Süden war bis in die bolivianische Hauptstadt La Paz zu spüren. Besonders schwer ist die gut 1200 Kilometer südlich der Hauptstadt gelegene, zweitgrößte Stadt des Landes, Arequipa, betroffen. Viele Wohnungen stürzten ein, Strom-und Wasserleitungen wurden unterbrochen. Die Telefongesellschaft meldete, das Beben habe ein im Meer verlegtes Kabel zerstört. Experten warnten vor einer möglichen Flutwelle für Teile Südamerikas und Französisch Polynesien, für Hawaii wurde nur eine leichte Änderung des Meeresspiegels erwartet. Ursache des Bebens ist das Aneinanderstoßen zweier Erdplatten. Über die gesamte Länge des peruanischen Territoriums bewegt sich die Nazca-Platte von Osten nach Westen und stößt dabei auf die Kontinental-Platte. Im Mai 1970 wurden im Anden-Departement Ancash 67 000 Menschen Opfer einer Erdbebenkatastrophe. Präsident Valentin Paniagua begab sich per Flugzeug in das Katastrophengebiet. Der gewählte Präsident Alejandro Toledo, der im Juli sein Amt antreten wird, verschob eine Europareise. Die erste Armeemaschine mit Hilfsgütern startete noch am Samstag. Wegen des in den Anden eisigen Winters sind vor allem Zelte und Decken nötig. Die Europäische Union bereitet Hilfen vor.