Dasselbe auf Deutsch The same in English


Oops, I guess this isn't translated yet. Patience please...

Jaén, 5th of August 2001

Dear friends,

lang, lang ist's her, daß Ihr von uns einen Rundbrief bekommen habt. In der Zwischenzeit ist auch schon wieder recht viel passiert. "Ponganse comodo" (Macht's Euch gemütlich) - wie es auch immer am Anfang der Installation von Windows 98 heißt, hihi.

Ende Juni kam Sabine, vom INES-Büro aus München nach Peru, um mit uns und einem anderen Paar, das in Piura in einem Kinderprojekt arbeitet, ein paar Reflexionstage in einem netten Fischerdorf in der Nähe von Piura zu machen. Das waren recht gemütliche Tage und wir hatten das Glück gerade am fast höchsten christlichen Feiertag der Fischer dort zu sein: Peter und Paul, die ja die "zuständigen" Heiligen der Fischer sind. Das war ein riesen Fest. Nach der Messe ist fast das ganze Dorf (bis auf die ganzen Zeugen Jehovas) mit ihren Fischerbooten aufs Meer rausgefahren. An allen Stellen, an denen schon mal einer von ihnen verunglückt ist, haben sie Blumenkränze ins Wasser geworfen. Und nebenbei hat immer eine Blaskapelle Musik gespielt. War wirklich sehr beeindruckend. Schaut Euch am besten die Bilder dazu auf unserer Webseite an, um ein bißchen was von der Stimmung mitzuerleben:

Die Zeit, in der Sabine bei uns in Jaén war, haben wir genutzt, um endlich mal gemeinsam in den Regenwald zu fahren. Das war abenteuerlich! Um 6 Uhr früh ging es los. Erst mußten wir von Jaén 1 Stunde mit dem Taxi nach Bagua fahren. Dort haben wir glücklicherweise schnell ein anders Taxi gefunden, das uns nach Imaza fahren wollte, von wo aus die Schiffe nach Santa Maria de Nieva gehen. Nach ca. 1/2 Stunde Fahrt mit dem Taxi ist eine Blattfeder gebrochen. Der Fahrer konnte es an Ort und Stelle notdürftig reparieren, wir mußten aber wieder zurück. Also neue Suche. Da wir aber durch den Zeitverlust schon recht spät dran waren, gab es keine Taxis mehr, sondern nur noch Kombis (VW-Busse), die natürlich wesentlich länger brauchen. Aber uns blieb keine andere Wahl. Nach guten 5 Stunden kamen wir endlich in Imaza an und haben gerade noch das letzte Boot Richtung Nieva bekommen. Die Fahrt nach Nieva war dann landschaftlich wunderschön und es war sehr interessant, wie wir langsam aus den Bergen herauskamen und sich damit die Vegetation sofort veränderte. Es war grün, grün, grün. Wir waren aber sehr überrascht, daß es auch immer kälter wurde. Den Regenwald stellt man sich immer als heiß und dampfig vor. Ja, geregnet hat es. Aber wir waren sehr froh, daß im Boot Plastikplanen waren, mit denen wir uns gegen den Regen und die Kälte wenigstens etwas schützen konnten. Denn Pullis hatten wir natürlich nicht dabei. Zu anderen Jahreszeiten ist natürlich schon wärmer.

Als wir dann endlich in Santa Maria de Nieva ankamen, war es bereits stockfinster. Vom Hafen her ist uns ein anders Boot mit Suchscheinwerfer entgegen gekommen, weil unser Käpt'n (und wir auch!) sonst wohl schlechte Karten gehabt hätten, das Boot an den vielen Untiefen vorbei in den Hafen zu lenken.

Nieva ist winzig klein, aber eine der größeren Städte im Regenwald. Es gibt sogar zwei, drei Mototaxis! Von dort aus haben wir dann ein paar Ausflüge gemacht und noch andere Projekte der Jesuiten kennengelernt. So gibt es dort z.B. eine Einrichtung zur Unterstützung der lokalen Landwirtschaft (SAIPE), wo den Bauern z.B. Möglichkeiten der Trinkwasseraufbereitung gezeigt werden und wo Bauern, die im lokalen Wettbewerb aufgrund ihrer Größe des Hofes und mangels einer eigenen Verarbeitungsanlage nicht mithalten können, beim Absatz ihrer Produkte (Palmenherzen und Carambola=Sternfrucht) geholfen wird. Die Palmenherzen werden hier in Gläser eingelegt und aus der Carambola wird Saft gemacht und in Flaschen gefüllt. Momentan werden die fertigen Produkte noch lokal vertrieben, geplant ist aber, die Produktion zu steigern und in den nationalen oder sogar internationalen Markt einfließen zu lassen, um die Finanzierung der Anlage sicherzustellen. Momentan trägt sie sich noch mit den Projektfördergeldern zur Erstellung der Anlage. Aber diese Förderung läuft demnächst aus.

Danach sind wir mit einem kleinen Boot auf dem Fluß Nieva flußabwärts zu einem anderen Projekt gefahren, namens Tunaants. Tunaants ist auch ein Projekt von SAIPE, um die Haltung von bisher wilden Tieren zur Nahrungsproduktion zu untersuchen und auch den Familien vorzuführen, wie sie es selber machen können. Der Name Tunaants kommt angeblich von dem aguarunischen (Aguaruna ist eine der einheimischen Sprachen dort) Wort Tuna = Wasserfall. Wir haben viele verschiedene Vogelarten, Papageien, Tukane, Pfaue, Ratzen/Wieselarten, Wildschweine, Affen, Tapire, Rehe und 2 "Tigres" - wahrscheinlich Jaguare gesehen. Die 6 Meter Schlange ist leider inzwischen eingegangen, weil sie die Nahrung in Gefangenschaft verweigert hat. Alle Käfige und Gehege liegen im dichten, aber leider nicht mehr originalen Urwald.

Am Nachmittag haben wir uns noch eine sehr neue Anlage für die Herstellung von ausgewogenem Hühnerfutter "alimentación balanceada" angesehen. Eine Mischung aus Maismehl, Sojamehl, Salz, gekaufter Vitaminmischung und Antipilzmittel wird in die - uns aus deutschen Tierparks - bekannte Futterstangerlform gepreßt. Die Idee dahinter ist eine bessere Ernährung der Hühner und außerdem Abnahme der dafür notwendigen Rohstoffe von den Bauern. Bisher wird ähnliches Futter aus Chiclayo importiert, das wesentlich teurer (3 Soles pro Kilo) und dessen Qualität schlechter ist. Betrieben wird die Anlage von einem nagelneuen, großen Generator aus England. Das Projekt ist noch sehr neu und die Produktion kann erst beginnen, wenn das richtige Mischverhältnis für das Tierfutter und auch für die Reinigung der Maschine gefunden wurde.

Zum Glück wurde es mittlerweise warm und das Gefühl, im Regenwald zu sein, kam langsam. :-)

Die "Pampa Hermosa" ist ein weiteres Projekt von SAIPE, das zur Fortbildung der Bauern dienen soll. Hier gibt es Beispielfelder mit allen möglichen Pflanzen und auch Techniken wie z.B. Pfahlhausbau (wegen den jährlichen Überschwemmungen) wird gezeigt. Sie haben eine eigene Wasserversorgung aus Regenwasser, da sie weit weg von der Stadt sind. In der (kargen) Mannschaftsunterkunft der Kursteilnehmer haben wir einen Fernseher mit Batterie- und Solarbetrieb gesehen. Die Küche ist eine überdachte Feuerstelle. Alles ist dort recht schwierig, da der Fluß jedes Jahr im Januar bis März einige Meter höher steigt, so daß alles überschwemmt wird. Sie versuchen, vieles hochwassersicher anzulegen, aber das ist einerseits nicht einfach, außerdem teuer und schließlich für die Bauern, die hier lernen, noch schwieriger bis unmöglich.

Auf unserem Rundgang durch die Felder und Plantagen haben wir viele Pflanzen, Bäume und Früchte kennengelernt und durften auch viele Früchte frisch vom Baum/Strauch probieren: süße und saure Carambola, Maracuja, Kakao, Palmenherzen und viele mehr.

Am nächsten Tag ging es wieder ein Stückweit zurück Richtung Imaza. Die Boote fahren hier in aller Frühe weg, was für uns bedeutete, um 5:55 Uhr fertig im Boot zu sitzen. Es war noch stockdunkel, eiskalt und bewölkt. Wir haben mit unseren T-Shirts und den Regenjacken darüber wieder recht gefroren. Zum Glück hat es diesmal aber nicht geregnet. Da wir nun gegen die Strömung ankämpfen mußten, dauerte die Fahrt wesentlich länger. Um 10:45 Uhr kamen wir dann endlich in Yamakaientsa an - in Sichtweite von Imaza. Dort steht das Colegio Técnico Agricultural Valentin Salegui, eine Schule bzw. Ausbildungsstätte für Bauernkinder - auch von Jesuiten geleitet. Von einem Schüler bekamen wir gleich eine Führung durch das Gelände. Es gibt hier neben den Unterrichtsräumen eine Küche, in der die Kinder selbst für alle anderen kochen, einen neuen Computerraum mit 29 PCs (das hätten wir hier nicht erwartet!), eine Mechaniker- und eine Schreinerwerkstatt, und natürlich Fußballplatz, Viehställe mit Hühnern, Enten, Schweinen und Cuyes (Meerschweinchen). Auch die nette Kapelle (mit großem Fenster in den Wald raus!), die Bibliothek, das Lehrerzimmer und das Direktorat durft wir uns ansehen. Später machten wir mit einem der älteren Schüler eine Wanderung durch den dichten Urwald bergaufwärts zu einem Wasserreservoir. Von dort ist bereits ein Rohr für ein Wasserkraftwerk verlegt. Das wurde schon vor Jahren zusammen mit vielen Schülern gebaut, aber leider fehlt wegen Geldmangel immer noch das Turbinenhaus samt den Turbinen. Deswegen benutzen sie immer noch den lauten und ölverschlingenden Generator direkt auf dem Gelände. Auf einem anderen Weg sind wir durch den steilen und batzigen Wald wieder zurückgegangen, an vielen Chakras (Feldern/Plantagen) für den Unterricht und einer gerade in der Landwirtschaft arbeitenden Klasse vorbei. Am Abend haben wir uns mit dem Direktor Padre Carlos über die Schule und die Selbstorganisation der Schüler unterhalten. Er erzählte, daß das hier hervorragend funktioniert. Die Schüler machen alles selber. Reihum wird gekocht, geputzt usw. Manche stehen schon um 2 oder 3 morgens auf, um Brennholz für das Frühstück zu sammeln! Auch die Bestrafung, wenn einer nicht richtig mitarbeitet, organisieren sie selber. Bestrafung heißt noch mehr Arbeit. Wenn es schwierige Probleme sind, helfen allerdings die Lehrer schon mit. Nach einer Übernachtung in der Krankenstation der Schule mußten wir uns leider am nächsten Tag schon wieder verabschieden. Ein Schüler brachte uns mit einem kleinen Boot nach Imaza und von dort fuhren wir mit einem Taxi (der Fahrer war praktischerweise aus Jaén und wollte da eh hin) wieder zurück in das warme Jaén. Nach den kalten Tagen im Regenwald hatten wir uns direkt auf die Hitze in Jaén gefreut. :-)

Auf unserer Webseite findet ihr zu diesem Ausflug eine ganze Menge Bilder .

Vorletzten Sonntag waren wir bei Juan eingeladen. Jeder im Radio nennt ihn Don Juan. Juan ist der Nachtwächter des Radios. Er kommt abends um 20 Uhr, putzt die Rezeption, versorgt die zwei Hunde, macht Telefondienst, schaut, wenn alle gegangen sind, daß alle Geräte ausgeschaltet sind und die Türe gut zugesperrt ist und kann dann ein paar Stunden schlafen, bis er um 5 Uhr früh den ersten Journalisten und Moderatoren die Türe öffnet. Auch untertags ist Juan viel im Radio. Er schneidet Bäume, pflanzt Bananen, grabt um, bohrt Löcher für Bilder, kümmert sich um Moskitonetze und mehr.

Auf unserer Seite mit Bildern von allen Radiomitarbeitern gibt's auch dieses Bild von Juan: Klicken für eine größere Version

Er hat uns mit dieser vielen Arbeit schon immer leid getan. Meistens macht er einen total übermüdeten Eindruck, gibt sich aber nach außen hin immer fröhlich, geduldig und sehr hilfsbereit. Er war auch derjenige, der uns im letzten Oktober beim Umzug und beim Einbau unserer Moskitonetze geholfen hat.

Im Zuge der Neustrukturierung im Radio hat Paco, der Direktor, auch das reglamento interno - die Betriebsordnung - neu formuliert und jedem Mitarbeiter mit der Bitte um Verbesserungsvorschläge in die Hand gedrückt. So auch Juan. Am nächsten Tag sprach mich -Heidi- Juan an, wie ich denn die Rechte der Mitarbeiter im Radio sähe. Ob jeder die gleichen Rechte hätte oder ob es da Unterschiede gäbe. Ich wußte zuerst nicht, worauf er anspielte und habe geantwortet, daß natürlich jeder die gleichen Grundrechte hätte, abhängig von seiner Arbeit aber vielleicht auch noch andere. Er hat dann ein wenig herumgedruckst und schließlich gemeint, daß gemäß dieser Anordnung und einem darin erwähnten gesetzlichen Arbeitsrecht jeder Arbeitnehmer Anspruch auf einen freien Tag hätte. Er ist aber jede Nacht im Radio. Er hätte so gerne auch einen Abend in der Woche frei, um mit seinen Kindern etwas zu unternehmen. Ich war dann etwas betreten und habe ihm versichert, daß ich mich darum kümmern werde, daß in dieser Hinsicht etwas getan wird. Er hat dann weiter erzählt, daß er zuhause auch sehr viel Arbeit hat, ihm aber Zeit und Geld dazu fehlen. Er hätte keine sanitären Anlagen. Deshalb hat er auch schon Ärger mit den Nachbarn, aber er kann es sich einfach nicht leisten. Er bat mich, bei Paco ein gutes Wort für ihn einzulegen, damit er ein Prestamo (Darlehen) vom Radio in Höhe von 2000 Soles (ca. 1350 DM) bekommt. Mit diesem Geld könnte er dann zumindest die nötigen Vorbereitungen für ein Bad/WC anfangen. Damit wir uns ein besseres Bild von seinem Zuhause machen können, hat er uns eingeladen.

Juan wohnt mit seinen sieben Kindern (zwischen 6 und 17 Jahren, eines davon mongolid) am Ortsrand von Jaén in seinem Haus, ohne Licht, ohne Küche, ohne Bad. Seine Frau ist vor 2 Jahren an seinem Geburtstag im Januar gestorben. An was, haben wir nicht herausbekommen, doch es scheint eine längere Geschichte gewesen zu sein. Er hatte damals so viele Krankenhauskosten, daß er seine Stromrechnung nicht mehr zahlen konnte und mittlerweile eine Schuld von über 600 Soles (400 DM) allein bei Electonorte hat. Eine Summe, die er so schnell nicht zurückbezahlen kann. Deswegen wurde ihm der Strom abgedreht. Im Haus sind noch alle Lampen und Leitungen vorhanden. Nur der Strom fehlt halt - obwohl ironischerweise das Kraftwerk von Electonorte direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt. Kochen tun seine Töchter und er auf einem Ziegelofen im Garten. Wasser gibt es aus einem Schlauch, der direkt am Hausanschluß im Freien hängt. Dieser Schlauch ersetzt auch die Dusche. In seinem Viertel gibt es nur unbehandeltes Wasser aus dem Bach - in dem weiter oben andere baden und ihre Wäsche waschen. Damit es überhaupt für alle dort reicht, wird es auch auf nur ein paar Stunden pro Tag rationiert. Er kann sich natürlich auch keinen Wassertank auf dem Hausdach leisten, wie ihn viele andere haben, um dieses Problem zu umgehen. Zumindest diese Misere können wir ihm gut nachfühlen, da wir unseren Tank ja auch erst seit kurzem haben. Gerade zur Zeit kommt nur ein- oder zweimal am Tag für ein paar Stunden Wasser aus der Leitung, weil sich Jaén das Bachwasser mit dem Nachbarort Bellavista teilen muß.

Als wir Juan und seine Kinder besuchten, wurde sofort eine große Flasche Cola für uns gekauft. Uns erschienen unsere Gastgeschenke, Orangen und eine Kokosnuß aus unserem Garten, vergleichbar mit dem Kauf der Cola gleich wieder recht mickrig. Wir haben ein paar Stunden mit ihnen verbracht, uns ihr Haus und die durchgelegenen Matratzen angeschaut, die einfach nur auf dem gestampften Lehmboden liegen bzw. untertags gestapelt sind. Wir haben uns ihre Probleme angehört und mit den netten und bildhübschen Kindern angefreundet. Sie haben uns ganz stolz ihre Schulhefte und das Zeugnis von Juan David - des Jüngsten - gezeigt, der fast nur Einser mit Stern hat. Sie sind alle intelligent und haben sehr gute Noten. Der 15-jährige, mongolide Malincruz ist ein bißchen schwierig - er hat uns den ganzen Nachmittag geraten kein Yucca zu essen, weil man davon zu viel wächst :-). Er geht auf eine Sonderschule, aber der Direktor will ihn dort nicht mehr haben, weil er schon zu alt ist. Auf einer normalen Schule wird er aber auch nicht genommen. Juan legt sehr viel Wert auf eine gute Schulbildung seiner Kinder. Im Gegensatz zu vielen anderen Mitarbeitern im Radio kann er mit seinem Geld umgehen und es einteilen. Und das muß er auch, wenn er von seinem sehr geringen Gehalt von monatlich netto 314 Soles (ca. 200 DM) den Lebensunterhalt für sich und seine Kinder und auch die Schulkleidung und -materialien bezahlen will.

Insgesamt haben wir uns dort sehr wohl gefühlt und sind relativ lange geblieben. Eigentlich wollten wir mit den Rädern ja noch auf einen Hügel fahren, aber wir haben uns erst am späten Nachmittag wieder von den Guevaras getrennt und waren sehr bewegt von dem, was wir gesehen und gehört hatten. Andy mußte den Kindern noch versprechen, daß er sie am Montag in seinem Radioprogramm alle einzeln grüßen wird, was er natürlich mit großer Freude gemacht hat. Äh...ja, Andy hat seit neuestem zweimal pro Woche im FM-Programm einen Miniauftritt. Er wird vom Moderator Carlos als Internet Experte befragt und ist schon immer Stunden vorher supernervös. Bisher lief's aber ganz gut und er hat sich noch nicht zu sehr blamiert. Leider könnt ihr das Programm per Kurzwelle immer noch nicht verfolgen, da das Geld im Radio momentan so knapp ist, daß wir uns nicht einmal die paar Röhren leisten können, die nötig wären, um den Sender in Gang zu bringen! Wir schreiben Euch aber, wenn es dann doch endlich dazu gekommen ist.

Das war sicher nicht unser letzter Besuch bei Juan und seiner Familie. Seit diesem Tag beschäftigt uns die Frage, wie wir Juan helfen können. Vielleicht werden wir mal zur Stromgesellschaft gehen, um herauszufinden, wie hoch seine Schuld wirklich ist. Auf jeden Fall werden wir uns im Radio dafür einsetzen, daß die in der Verwaltung bereits angeregte Diskussion wegen eines freien Abends für Juan nicht im Sande verläuft, wie leider so viele wichtige Dinge, sondern bis zum Ende geführt wird und sich eine sinnvolle Lösung findet. Und dann werden wir natürlich auch mit dem Direktor Paco sprechen, damit Juan vielleicht doch ein Darlehen bekommen kann.

Im Gegensatz dazu wurden wir vergangenes Wochenende auf das Chacra von Homero eingeladen. Homero war bis letztes Jahr als Journalist für das Radio tätig und ist im Januar ins Marketing gewechselt. Er ist der älteste Mitarbeiter im Radio, war früher Direktor einer Grundschule und ist eigentlich schon längst in Rente. Um diese aber aufzubessern, arbeitet er mit großer Leidenschaft im Radio. Als Chacra werden hier die Höfe bezeichnet, die außerhalb der Orte in den Feldern liegen. Homeros Chacra liegt ca. 2 Autostunden von Jaén entfernt in den Anden auf ca. 1000m Höhe zwischen Reisfeldern und Kakao-, Mango- und Zitronenplantagen. Es ist das Grundstück seiner Frau und ihre Familie hat ihre Chacras in naher Umgebung. Um von der Hauptstraße zu den Chacras zu kommen, muß man den Fluß Chamaya mit einer Huaro überqueren (sowas wie eine Materialseilbahn, aber handbetrieben, d.h. man muß sich an einem fixen Seil rüberziehen). Das war recht abenteuerlich, vor allem als der neue Huaro dann repariert wurde und wir deswegen mit dem alten total kleinen Huaro rüber mußten. Übrigens findet ihr natürlich auch dazu Bilder auf unserer Webseite .

Homeros Haus ist eine relativ einfache Lehmhütte mit zwei großen Betten, einer einfachen Küche und einem Aufenthaltszimmer, in dem auch die Hunde und Hühner samt ihren Küken wohnten. Wir wurden Samstag vormittag mit einem herzhaften Frühstück erwartet und dann hat uns Homero die Gegend ein wenig gezeigt. Wir sind bei sengender Hitze auf einen Hügel gestiegen, von dem aus man die herrliche Reis-Landschaft gut sehen kann. Es ist kaum zu glauben, wie viele verschiedene Grüntöne es gibt. Mittags und abends gab es immer reichliches und abwechslungsreiches Essen. Ganz im Gegensatz zu unseren bisherigen Ausflügen aufs Land, bei denen es dreimal am Tag Hendl mit Reis und Yucca gab. Am Nachmittag fing es leider mal wieder zu regnen an, obwohl die Regenzeit theoretisch doch schon lange vorbei ist. Aber dadurch, daß es so heiß ist, stört es gar nicht so sehr. Gleich anschließend sind wir in einem saukalten, aber total klaren Bach baden gegangen, der auch alle Reisfelder und Häuser hier mit Wasser versorgt. Natürlich unterhalb der Stelle, wo das Trinkwasser abgezapft wird :-).

Am Sonntag war es zum Glück wieder trocken und Homero hat uns das Nachbardorf Pomahuaca gezeigt, in dem er viele Jahre Schuldirektor war. Dort gibt es sogar ein kleines Stadtmuseum, in welchem Funde in dieser Region aus der Vorinkazeit ausgestellt werden. Das war recht interessant. Mich -Andy- hat am meisten eine versteinerte Schildkröte beeindruckt. Es soll dort in den Bergen auch ein Grab geben, das ähnlich bedeutend wie das Grab des Señor von Sipan ist, aber noch nicht ausgebuddelt. Überhaupt scheint uns, daß der Norden Perus ähnlich viel zu bieten hat wie der touristisch schon sehr erschlossene Süden. Nachmittags haben wir uns dann wieder gemeinsam an die Straße gestellt und auf einen der Kombibusse gewartet, um zurück nach Jaén zu fahren.

Das Bussystem ist hier recht interessant. Es gibt Taxis und Kombibusse, die feste Routen abfahren. Gegen eine Gebühr (je nach Entfernung) kann man mitfahren. Eigentlich ein recht gutes System und flexibler als ein fester Busfahrplan: wenn am Straßenrand jemand wartet und noch Platz im Auto ist, bleiben sie stehen. Der Nachteil ist, daß es halt keine Garantie gibt, daß grad dann ein Auto kommt, wenn man eins braucht. Am Samstag, als wir auf dem Weg zu Homeros Chacra waren, war z.B. grad Nationalfeiertag (28.7. bis 30.7. sind die sog. Fiestas Patrias und außerdem Machtübergabe an den neuen Präsidenten Alejandro Toledo) und somit weniger Autos unterwegs. Wir haben fast 1 Stunde in Jaén gewartet, bis wir aus der Stadt rauskamen. Bei der Heimfahrt am Sonntag war's ähnlich, aber trotzdem ist uns dieses Fortbewegungsmittel sehr sympatisch. Man kommt auf diese Art fast überall hin und trifft immer Leute, die meistens für interessante Gespräche sorgen.

Die letzte Woche war noch harte (Vorbereitungs-) Arbeit im Radio, aber jetzt werden wir ein paar Wochen Pause einlegen. Morgen fahren wir mit dem Bus nach Lima, um Andys Schwester Angi und ihren Freund Thomas zu empfangen, die dort am Dienstag abend ankommen. Wir werden von dort aus gemeinsam eine Rundtour durch den Süden Perus machen (natürlich nicht von Eurem Geld, sondern auf Privatkosten :-). Dabei werden wir auch in das Erdbebengebiet um Arequipa kommen. Wir sind schon gespannt, wie es dort nun aussieht. Im Radio laufen ununterbrochen Sammelaktionen (über die lokale Caritas) und da kommt überraschend viel Zeug zusammen. Manchmal werden ganze Säcke mit Lebensmitteln, manchmal auch einfach nur eine Schachtel Kekse abgegeben. Wir haben den Eindruck, daß die Leute im Land im Verhältnis fast mehr spenden für ihresgleichen als man so von Deutschland oder anderen Ländern mitbekommt, wenn für Erdbebenopfer in anderen Regionen gesammelt wird. Allein im Radio waren es vor drei Wochen knappe 3000 Soles (2000 DM) an Bargeld - zusätzlich zu den Sachspenden. Das ist für die Leute hier sehr viel Geld. Von einer ähnlich großzügigen Hilfsbereitschaft haben wir auch von unseren INES-Kollegen aus Honduras gehört.

Anschließend fahren wir noch für ein paar Tage zu viert wieder rauf und zeigen den beiden die Highlights von Jaén (also unsere Kokospalme, hehe) und das Radio. Unser erster Besuch aus unserer Familie. Darauf freuen wir uns auch schon sehr!

Bald darauf machen wir zusammen mit dem anderen deutschen INES-Ehepaar, die in Piura arbeiten, eine Woche jesuitische Exerzitien mit dem Pater Peter Hanssen SJ in der Nähe von Lima. Wir freuen uns schon auf diese Zeiten der Abwechslung und Entspannung und werden Euch in unserem nächsten Rundbrief wieder mit einigen von unseren Erfahrungen die Mailbox füllen. (c:

Bis dahin abrazos fuertes, und für alle Schulkinder und Lehrer/innen: genießt die Ferien und den warmen Sommer!

Love
Heidi and Andy.

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1,2,viele , last change: 2003-Feb-24