Jaén, 8th of September 2001 Dear friends, nun sind wir seit einer Woche wieder zurück aus unserem Urlaub. Schön war es. Wir haben auf unserer 2-wöchigen Rundreise durch den Süden des Landes viel neues gesehen und auch ein ganz anderes Peru kennengelernt, das leider schon viel vom Tourismus geprägt ist. Wen unser Urlaubsbericht interessiert, der kann ihn gerne auf unserer Webseite oder direkt hier (in German only) nachlesen. Wir waren sehr überrascht zu sehen, daß während dieser Zeit einiges passiert ist. In diesem Rundbrief möchten wir Euch ein bißchen davon erzählen. So bietet das Radio zum Beispiel schon seit längerem Schulklassen oder interessierten Jugendlichen eine Führung durch das Radio an, oder daß sie in kleine Gruppen direkt in die Aufnahmestudios dürfen und dort ihre Grüße loswerden können. Dieses Angebot wird auch von vielen Gruppen wahrgenommen. Das Problem der Moderatoren dabei ist leider nur, daß sie nicht immer Zeit haben, die Leute an der Rezeption abzuholen und danach wieder dorthin zurückzubringen. Wenn die Jugendlichen also alleine zum Ausgang zurückfinden müssen, der eigentlich gleich gegenüber den Studios ist, laufen sie oft orientierungslos im Radio rum und in andere Büros rein. Um hier ein wenig Abhilfe zu schaffen, sollten schon längst Schilder wie "Ausgang" oder "zu den Studios" gekauft und montiert werden. Und siehe da, als wir von unserem Urlaub zurückkamen, waren zumindest schon mal ganz nett gestaltete Papierzettel an den wichtigsten Türen. Auch hat uns riesig gefreut, daß für den Nachtwächter Juan, von dem wir Euch in unserem letzten Rundbrief geschrieben haben, tatsächlich eine Lösung für eine freie Nacht gefunden wurde. So hat er nun den Samstagabend frei und hat dadurch an den Wochenenden Zeit für seine Kinder. Wir, und vor allem Andy, haben von Anfang an darunter gelitten, daß die komplette Stromverkabelung im Radio ohne Erdung gemacht wurde. Wie oft wir da schon einen "drauf" bekommen haben! Als wir vom Urlaub zurückkamen, war im Garten ein großes Loch. Wir haben natürlich sofort gefragt, was das werden wird und uns wurde geantwortet, daß hier die Erdung "eingepflanzt" wird. Ein großer Schritt! Dummerweise sind aber leider noch nicht alle Steckdosen angeschlossen, da man dazu ganze Gebäudeteile neu verkabeln müßte und dafür ist im Moment leider wirklich kein Geld und auch keine Zeit da. Wenn mal einer von Euch so 2-3 Monate Urlaub hier machen will... wir hätten genug Arbeit. :-) Unser lieber Radiodirektor, Padre Paco, ist ja erst seit letztem Jahr im Radio und war bis Ende 2000 leider noch mehr mit seinen bisherigen Aufgaben beschäftigt, als daß er sich auf das Radio hätte konzentrieren können. Diese Zeit ohne konsequente Führung hat deutliche Spuren hinterlassen. Seit einiger Zeit bemüht sich Paco nun darum, nicht nur die finanzielle Situation des Radios (durch Spendengelder-Suche) in den Griff zu bekommen, sondern sich auch etwas mehr um das Geschehen im Radio zu kümmern. So hat er z.B. angefangen, die regelmäßigen Samstags-Besprechungen zwischendrin auch thematisch zu nützen, mit Themen wie z.B. was es bedeutet, ein mündiger peruanischer Bürger zu sein, oder auch einfach mal über die Frage zu diskutieren, was es bedeutet, ein Bildungsradio (edukatives Radio) zu sein. Die letzten Samstage wurden dazu genutzt, die internen Arbeitsbestimmungen zu überarbeiten und in der großen Runde zu diskutieren. Das hat zu manchen interessanten Gesprächen geführt und den Mitarbeitern wurde auf diese Weise wieder einmal deutlich gemacht, daß SIE das Radio sind und nicht nur der Direktor. Seit einiger Zeit hat das Radio einen neuen Steuerberater, mit dem wir alle sehr zufrieden sind. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger geht er sehr auf die Belange und auch Probleme des Radios ein und versucht uns, aus unserer schwierigen Lage herauszubringen. So hat er in wochenlanger Arbeit die (absolut miserable) Bilanz des letzten Jahres überarbeitet und bringt insgesamt eine klare Ordnung in die Buchhaltung. Leider ist kurz nach unserer Rückkehr auch etwas nicht so schönes passiert. Im Gartenbereich des Radios ist ein Steinherd aufgebaut, der als Demo-Küche eines Gesundheitsprojektes installiert wurde. Dieser Herd wird seitdem für die tägliche Zubereitung des Essens der beiden Rottweiler Ethan und Tequila verwendet. Neben dem Herd, als Trennwand zum Auslaufbereich der Hunde, ist bzw. war ein Zaun aus Bambusstangen. Tja, und eines Tages kurz nach Mittag, die meisten waren schon beim Essen zuhause, hat diese Holzwand Feuer gefangen. Wie es genau passiert ist, weiß keiner. Es ging an diesem Tag ein ziemlicher Wind; evtl. war im Ofen noch ein wenig Glut, die herausgeblasen wurde. Oder jemand hat achtlos eine Zigarette weggeworfen. Wir hatten auf jeden Fall riesig Glück, daß Audina, die Putzfrau, zufällig noch da war und das Feuer entdeckt hat. Zuerst haben wir verhindert, daß sich das Feuer auf das Radiogebäude ausweitet und dann hat Heidi gleich die Hunde in Sicherheit gebracht, die schon ganz eingeraucht und verwirrt auf Hilfe gewartet haben. Nach 1/2 Stunde haben dann alle noch anwesenden Radiomitarbeiter gemeinsam das Feuer gelöscht gehabt. Wir waren so froh, daß Audina es rechtzeitig gesehen hat. So ist Gott sei Dank nur der Zaun zu den Hunden abgebrannt und das Radio verschont geblieben. Seitdem wird hin- und herüberlegt, wodurch die abgebrannte Wand ersetzt werden soll. Sinnvoll wäre durchaus ein einfacher starker Drahtzaun, der nicht nochmal Feuer fangen kann. Außerdem würden die Hunde dann mehr mitkriegen und wären nicht immer so gelangweilt :-). Die Entscheidung darüber allerdings liegt bei Paco, der sich noch nicht dazu geäußert hat. Durch den Brand ging leider auch das Kabel kaputt, das die große Sateliten-Antenne mit den Sendestudios verbindet. Über diese Antenne empfängt das Radio frühmorgens Nachrichten von ALER aus Equador, die für eine halbe Stunde über Radio Marañón ausgestrahlt werden. ALER ist eine länderübergreifende Einrichtung zur Weiterbildung von edukativen Radios in Südamerika. In unserem letzten Rundbrief haben wir Euch ja recht ausführlich über Juan, den Nachtwächter des Radios, und seine familiären und finanziellen Probleme erzählt. Wir waren sehr überrascht, daß sich einige von Euch spontan angeboten haben, ihm zu helfen und haben uns sehr darüber gefreut. Zumal das Radio seit unserem Urlaub grundsätzlich keine Darlehen mehr gibt (da diese zum Teil recht ausgenutzt wurden und es immer Probleme mit der Rückzahlung gab). Dadurch kann Juan vom Radio leider keine Hilfe erwarten. Durch das von Euch angebotene Geld, kann er zumindest die nötigsten Reparaturen im Haus machen und dadurch für sich und seine Kinder eine bessere Lebensbasis schaffen. Vielen, vielen Dank. Leider wissen wir noch nicht genau, wie Juan an das Geld kommen soll. Das Problem ist, daß wenn wir ihm das Geld direkt geben, wir dadurch eine Art von Abhängigkeit schaffen, die wir nicht wollen, da sie Freundschaften nachhaltig beeinflußen kann. Die optimale Lösung wäre, wenn Juan das Geld von einer Institution in Jaén bekäme, die sowas "profesionell" macht. Sowas wie eine soziale Anlaufstelle. Doch so etwas gibt es in Jaén leider nicht. So war unsere ursprüngliche Idee, Juan das Geld über das Radio - verbunden mit einem Darlehen vom Radio - zu geben, wobei er den Betrag von Euch dann nicht hätte zurückzahlen müssen. Für ihn hätte es so ausgesehen, als ob das Geld vom Radio, bzw. von einem Projekt käme und er hätte uns nicht damit in Verbindung gebracht. Doch das geht ja nun nicht mehr. So sind wir zur Zeit auf der Suche nach einer neuen Lösung, sind aber auch schon mit dem Priesterseminar von Jaén in Verbindung, genauer gesagt mit dessem Leiter Padre Benjamin, der unser spiritueller Begleiter und Ansprechpartner ist. Nach unseren Exerzitien werden wir uns regelmäßig mit ihm zum Gedankenaustausch treffen. Wir haben ihm von unserem Problem erzählt und er hat uns zugesagt, daß er sich mal mit Paco (der zur Zeit leider nicht da ist) zusammensetzen wird und wir uns gemeinsam eine Lösung überlegen. Vielleicht kann die ganze Finanzierung ja sogar offiziell über die Jesuiten laufen. Wir werden auf jeden Fall eine Lösung finden und werden uns auch dahinterklemmen, daß das bald passiert. Mit INES in München haben wir schon gesprochen und so bitten wir Euch, wenn Ihr was für Juan geben wollt, zahlt es, wie gewohnt, auf das Konto der Jesuiten in Nürnberg (MISSIONSPROKUR SJ, HypoVereinsbank Nürnberg, BLZ. 760 200 70, Konto-Nr. 813532) mit dem (sehr WICHTIGEN) Stichwort "INES, Spiegl" ein und gebt uns aber bitte per Email, über INES (Tel.Nr. 089/388893-26, Fax: -27, siehe auch die Adressen auf dieser Seite) über unsere Eltern oder andere Bekannten mit Email-Anschluß Bescheid, wieviel ihr für Juan überwiesen habt. Selbstverständlich bekommt ihr auch dafür eine Spendenbescheinigung. Sobald wir dann eine Lösung gefunden haben, lassen wir ihm das Geld zukommen . Ja, was gibt es sonst Neues bei uns? Uns geht es nach wie vor gut in unserer 4er WG. Wir genießen es aber auch immer, wenn wir am Wochenende alleine sind. Marco fährt oft heim zu seinen Eltern nach Piura (etwas weiter im Norden an der Küste) und Jinmy macht momentan Vertretung für Pedro, der grad in Ecuador auf Schulung ist. Pedro ist im Radio normalerweise (neben dem Nachtwächter) der erste, der im Radio ist und ist verantwortlich dafür, daß die für morgens programmierten Sendungen reibungslos ablaufen. Um sich in aller Frühe den Weg zum Radio zu sparen, hat er darum im Radio ein kleines Zimmerchen mit Schlafgelegenheit. Und dort schläft nun schon seit über einem Monat Jinmy. Auch am Wochenende. Und untertags sehen wir von Jinmy am Wochenende auch wenig, weil er immer unterwegs ist. So bleibt uns Zeit für uns selbst und auch, um uns mit unseren Laptops auszubreiten und Euch mal wieder zu schreiben :-)) Morgen mittag geht's mit dem Bus schon wieder in Richtung Lima. Etwas am Stadtrand von Lima haben die Jesuiten ein, so wurde es uns beschrieben, sehr schön und ruhig gelegenes Exerzitienhaus. Dort werden wir die kommende Woche zusammen mit dem deutschen Ehepaar Ecker, das über INES in Piura in einem Kinderprojekt arbeitet, unter der Leitung des Jesuitenpaters Peter Hansen Exerzitien machen. Für uns beide wird das wieder eine neue Erfahrung sein. Wir kennen zwar beide schon Exerzitien im Alltag und Meditations- oder Besinnungstage, doch die Exerzitien des Hl. Ignatius von Loyola sind Schweigeexerzitien und uns bis jetzt total fremd. Wir gehen mit etwas gemischten Gefühlen in diese Woche, freuen uns aber auch schon auf die Zeit der Ruhe. Danach werden wir endlich wieder länger in Jaén bleiben und überlegen schon, wie wir hier unser Einjähriges feiern werden. Vielleicht machen wir eine riesen Kuchenparty in unserem Haus. (c: Immer wieder werden wir gefragt, wie lange wir denn nun noch in Jaén sein werden. Wir planen momentan, bis ungefähr April/Mai hier im Radio zu arbeiten, dann die Zelte in Jaén abzubrechen und noch ein wenig durch Südamerika zu touren. Wann wir dann genau wieder in München sein werden, können wir jetzt noch schwer sagen. Uns gefällt es hier sehr gut, es gibt noch genug Idee, ow wir mithelfen können und im Moment möchten wir auch noch gar nicht an Abschied denken. Euch wünschen wir nun einen schönen Herbst und werden uns bald wieder mit den Neuigkeiten aus dem ewig sommerlichen Jaén melden.
Love
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