Jaén, 15. Mai 2002 Liebe Freunde, Euer Daumendrücken hat gewirkt: kurz nach unserem letzten Rundbrief hat Paco für Heidi einen wirklich guten Nachfolger gefunden. Carlos kommt von einer der besten Unis Peru in Lima, und hat schon Erfahrung im Geschäfts- führungsbereich. Dadurch muß ihn Heidi nun nur in die Besonderheiten und Geheimnisse des Radios einweihen und seine Projekte. Er arbeitet von Anfang an schon sehr selbständig und selbstbewußt und Heidi ist zuver- sichtlich, daß er seine Funktion als Geschäftsführer bald antreten kann.
Jedenfalls erlebten wir danach eine wunderschöne geruhsame Karwoche mit Ausflügen in die Umgebung von Ayacucho und täglichen Prozessionen durch die Straßen. In Ayacucho gibt es über 35 Kirchen, davon 18 in direkter Umgebung des Hauptplatzes. Jeden Tag stand die Prozession unter einem anderen Thema, wie z.B. Christus der Verurteilte, Begegnung von Christus mit Maria, Johannes und Veronika, Christus im Grab usw. Die Prozessionen wurden von vielen Gläubigen (und noch mehr Touristen, hauptsächlich Peruanern) durch die engen Straßen bis zum Hauptplatz begeleitet. Die Straßen selbst wurden von den Anwohnern geschmückt. An vielen Stellen waren riesige Blumenteppiche mit wunderschönen Motiven und Farben auf der Straße. Jeden Tag aufs Neue und andere!
Die Prozession am Mittwoch stand unter dem Thema "Begegnung von Christus mit Maria, Johannes und Veronika":
Am Gründonnerstag war nach der Abendmahlfeier "Kirchenrundgang". Es ist Tradition, mindestens 7 Kirchen zu besuchen und das aufgebahrte "Santisimo" zu bewundern und anzubeten, damit man den österlichen Ablaß erhält. Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, was da in der Stadt los war. Hier leben normalerweise ca. 150.000 Ayacucheños aber in der Karwoche kommen nochmal fast so viele Touristen! Wir hatten das Glück, daß Paco dort eine Bekannte hat, die uns ein Appartement vermietet hat. Am Karfreitag haben wir in der Früh am Jugendkreuzweg um den Hauptplatz teilgenommen, der sehr schön gestaltet war. Mittags sind wir in die Kathedrale gegangen um uns die "Sermón de las 7 ultimas palabras" anzuhören. Wir dachten, das wäre _eine_ Meditation zu den letzten 7 Worten Christi am Kreuz, aber weit gefehlt! Nach 4 von 7 halbstündigen Predigten haben wir aufgegeben. Erstens weil wir kaum mehr sitzen konnten und zweitens, weil uns der Stil der Predigten überhaupt nicht gefallen hat. Um uns ausschimpfen und anschreien zu lassen, müssen wir nicht in die Kirche gehen. *seufz* Also haben wir lieber aus einem Internet-Café (von denen es fast so viele gibt wie Kirchen, hehe) eine "Ostermail" an unsere Familien geschrieben und sind um 4pm dann zur Karfreitagsliturgie zurück in die Kathedrale. Leider war die aber auch nicht so umwerfend. Es schien, als ob der Bischof und die Priester in Gedanken schon wieder ganz woanders waren, so daß die Messe nur total unvorbereitet und lieblos runtergelesen wurde. Was uns dann aber am allermeisten verwunderte, war die (wohl von Rom angeordnete) Kollekte für "tierra santa", sprich Israel. In der zweitärmsten Stadt des ärmsten Landes von Südamerika??? Es gab aber auch schöne Teile: der Chor hat (mit Orgelbegleitung!) sehr schön gesungen, teilweise sogar auf Ketschua. Sehr interessant!
Am Karsamstag haben wir einen gemütlichen Ausflug mit Sara, einer Bekannten aus Lima gemacht, die aus der Umgebung von Ayacucho kommt und deren Familie immer noch hier wohnt - inzwischen allerdings in der Stadt. Sie haben uns in ihr ehemaliges Haus auf dem Land eingeladen. Als wir ankamen, mußten wir feststellen, daß das Türschloß aufgebrochen wurde und Kleidung und Werkzeug fehlte, was die Stimmung natürlich erstmal sinken ließ. Dann durften wir mithelfen auf einem ihrer wenige quadratmetergroßen Felder Kartoffeln zu ernten. Auf einem kurzen Spaziergang durch den kleinen Ort haben wir überrascht festgestellt, wieviel Fujimori dort investiert hatte! Schule, Bibliothek, Kindergarten, ein großer Platz, usw. Kein Wunder, daß er auch heute dort noch sehr beliebt ist, obwohl inzwischen alle wissen, was er für ein korrupter Gauner war. Dann wurde uns ein köstliches (laut Sara typisches) Karsamstagessen aufgetischt: Meerschweinchen und Schweinefleisch, Kartoffen und Mais, Zwiebel- und Tomatensalat, dazu Pepperonikräutercreme, die Saras Mutter zuvor direkt auf einem Naturstein im Garten gemahlen hat. Alle Zutaten aus Eigenproduktion!
Vor dem Essen haben sie uns frische Maisstengel zum Kauen angeboten, was wir erst für einen Witz hielten! Aber es ist erstaunlich, wie saftig und süß sie sind. Im Grunde wie Zuckerrohr, aber halt vom Mais. Wir ließen uns aufklären, daß die Bauern damit auf billige Weise ihren Durst stillen. Nebenbei hat uns die Familie viel von der schrecklichen Zeit erzählt, während sich die Regierung und die Terroristen (Sendero Luminoso = Leuchtender Pfad) hier gegenseitig niedergemetzelt haben. Beide Seiten haben auf unschuldige Zivilisten nicht die geringste Rücksicht genommen und dementsprechend schauen auch heutzutage die übriggebliebenen zerissenen Familien aus. :-(
Abends wurde dann schon in allen Kirchen die Osternacht gefeiert. Diesmal waren wir schlauer und sind nicht in die Kathedrale gegangen, sondern in die Jesuitenkirche. Eine schöne Feier mit kleinem Osterfeuer vor der Kirche, gemeinsamen Einzug und einem Jugendchor. Anschließend sprach uns doch glatt der Pfarrer an. Er kennt natürlich Paco, der uns schon angemeldet hatte :-). Als wir zurück auf den Hauptplatz kamen, war gerade die Messe in der Kathedrale aus und die riesige Altar-Bahre schon erleuchtet. Mit 1000 echten Kerzen! Bald darauf wurde vor der Kirche ein großes Feuerwerk gezündet und nebenbei gingen Blächbläsergruppen um den Platz und die Leute haben dazu getanzt (leider auch viele schon betrunkene Touristen). Am Ostersonntag war die erste Messe schon um 4 Uhr, aber die haben wir guten Gewissens ausgelassen, weil wir ja am Vorabend schon in der Kirche waren. Danach, um 5 Uhr, war der Platz schon voller Leute. Der Altar wurde aus der Kathedrale herausgetragen und dann die Christusfigur über Seilzüge aus der Spitze herausgefahren. Ein Raunen ging durch die Reihen und Applaus! Auch dann gab es wieder große Feuerwerke: eines links, eines rechts der Kirche und 4 kleine in jeder Ecke des Hauptplatzes. Während langsam die Sonne aufging und der Platz immer heller wurde, wurde der Altar langsam einmal um den Platz getragen. Mit einigen Pausen und Andachten. Die 200 Träger stöhnten ganz schön unter dem 2 Tonnen schweren Altar und manchmal hatten wir Angst, daß er umkippt.
An dem Gestell auf der linken Seite sind die Feuerwerkskörper befestigt!
Danach drängten alle peruanischen Touristen zu den schon bereitstehenden Kombis, um am Montag rechtzeitig zurück in ihren Heimatstädten zu sein. Wir sind dagegen durch die (wie immer offenen) Märkte und Supermärkte geschlendert und haben uns ein ganz, ganz leckeres Osterfrühstück gekauft. Den restlichen Ostersonntag haben wir ganz ruhig und gemütlich verbracht und noch ein paar Souvenirs eingekauft. Wir konnten uns gar nicht satt sehen an den liebevoll gemachten Keramiken :-). Unseren letzten Abend in dieser malerischen Stadt haben wir in der "Pizzería Italia" gefeiert. Am Ostermontag, den hier keiner als Feiertag kennt, machten wir unsere "Emaus-Fahrt" mit dem Bus über eine sehr abendteuerliche und unbefestigte Straße durch die Anden nach Huancayo hinauf (schlappe 12 Stunden). Dort fährt die höchstgelegenste Schmalspurbahn der Welt. Die allerhöchste Strecke - über einen Paß von 4800m - und spektakulärste (im Zickzack!) bis runter auf 0m in Lima fährt sie leider seit einigen Jahren nicht mehr - mangels Brücken und weggespülten Gleisen. Wir mußten also leider mit dem Bus weiterfahren. Doch auch das war sehr eindrucksvoll. Der Weg bahnte sich in 8 Stunden durch enge Schluchten und enge Kurven an einem Fluß entlang bis hinunter nach Lima. In Lima selbst haben wir dann noch ein paar Besorgungen gemacht, bevor wir wieder hinauf nach Jaén geschippert sind. Dort angekommen, mußte sich Andy leider gleich wieder über seinen Schüler und seine ursprünglich so große Hoffnung Franklin ärgern. Während unserer Abwesenheit hatte Licha, die Buchhaltungsassistentin vom Radio die Jahresbilanz vom Jahr 2001 fertiggestellt, aber hätte sie beinahe nicht im Finanzamt vorgelegen können, hätten wir nicht zufällig ihre Hilferufsmail in Huancayo gelesen und beantwortet. Franklin hat es nicht geschafft, nach einem Stromausfall eine einfache Einstellung an Lichas Rechner wieder so hinzubekommen, daß sie auf den Server zugreifen konnte. Da das für das Radio eine saftige Geldstrafe bedeutet hätte, war die Sache nicht so banal, wie Franklin sie behandelt hat. So hat der Direktor Paco eingesehen, was Andy schon länger sah und die Entscheidung getroffen, nicht länger auf Franklin als Andys Nachfolger zu setzen. Er hat in den 2 1/2 Monaten, die Andy mit ihm gearbeitet hatte, leider einfach nix kapiert und hat zu viele Fehler gemacht. So hat Andy also wieder zum Suchen angefangen. Diesmal aber gleich richtig mit einer landesweiten Stellenausschreibung via Internet. Nach mühsamem Durchgraben durch gut 60 Bewerbungen per Email und dann einer Woche Interviews in Lima und Chiclayo hat er sich gegen einen der teuren Limenser entschieden (die allerdings schon fast alles nötige gekonnt hätten) und stattdessen für Ralph, einen frischen Uniabgänger aus Chiclayo (an der Küste). Ralph ist nun seit Anfang Mai im Radio und stellt sich recht gut an. Er ist zwar noch sehr jung, weiß aber von haus aus schon wesentlich mehr als sein Vorgänger. In der 1 Woche im Radio hat Andy ihm schon Sachen gezeigt, die er Franklin noch lange nicht zugemutet hätte und Ralph ist auch dermaßen interessiert an allem, was ihm neu ist, daß Andy gar nicht nachkommt, ihm alle seine Fragen zu beantworten. Andy ist sehr zufrieden und auch sehr zuversichtlich, daß er in Ralph nun endlich einen ernstzunehmenden Nachfolger gefunden hat. Eine Gefahr ist nur noch, daß er nicht allzulang im Radio bleiben wird, aber dann ist _er_ dafür verantwortlich einen brauchbaren Nachfolger zu finden.
Um 9:15am waren wir also in der staatlichen "Agropecuario" Schule, auf die fast alle Kinder von Don Juan gehen. Anagloria (2. Klasse Segundaria), Claribel (1. Klasse Segundaria), Neyser (6. Klasse Primaria) und Juan David (2. Klasse Primaria) gehen. Sie wurde schon 1952 gegründet, damals die erste Oberschule in der Region. Auf der Einladung stand, daß es um 8:30am losgeht, Juan hatte uns aber schon gesagt, daß es reicht, wenn wir kurz nach 9am kommen und tatsächlich wurde überall noch in aller Ruhe dekoriert und vorbereitet. Claribel, die sogar erst nach uns kam und uns im Eingangsbereich begrüßte, war - wie ihre Klassenkameraden - als hübsche Regenwäldlerin verkleidet. Sie verschwand mit den anderen wieder zum großen Einzug und ward über 1 Stunde lang nicht mehr gesehen. Um 11am ging es dann endlich los. Auch die Peruaner murrten schon, daß es langsam wirklich Zeit wird. Zweieinhalb Stunden Verzögerung ist selbst für Peru viel. Das ganze fand im Schulinnenhof statt und wir alle waren der brütenden Hitze und der Sonne erbarmungslos ausgesetzt. Da gab es schon vor Beginn der Feier einige Sonnenbrände. Auch die Radiomitarbeiterin Merle, die Patin von einem anderen Kind war, kam langsam in Bedrängnis, weil sie um 1pm die Marcela an der Radio-Rezeption ablösen mußte. Die Paten hatten ihre Ehrenplätze in der ersten Reihe, Heidi blieb mit Juan und Foto im Hintergrund. Die Sache war ganz witzig aufgezogen: Am Anfang mußten die Cachimbo Prinzessinnen dem "Dios Agropecuario" (ein Skelett, wohl aus dem Biologie-Unterricht) huldigen. Dann wurde eine Übergangs-Klasse nach der anderen aufgerufen, wobei alle nach einem anderen Motto verkleidet waren (Cajamarca, Cuzco, Huancayo, Puno, Piura, Selva). Die Kinder suchten ihre Paten aus dem Publikum, die dann eine Aufgabe ("Castigo" = Strafe) erfüllen mußten, wie z.B. den Patenkindern die Füße küssen, mit einer Orange zwischen den Stirnen tanzen, das Patenkind wie ein Baby einmal im Kreis über den Innenhof tragen, verschiedene Tänze tanzen, ein Tier imitieren, (einen Teil der) Kleidung tauschen usw. Danach schneideten die Paten ihren Kindern die Haare ab, übergaben ihre Geschenke und wurden von ihren Patenkindern zurück an ihren Platz begleitet.
Über allem wachten die "Verdugos", das sind möglichst furchteinflößend verkleidete ehemalige Schüler mit Masken und Stöcken. Sie paßten auf, daß alles nach Plan abläuft und halfen nach, wenn's wo klemmte. Klar, daß sie auch beim Haarescheiden ein wenig nachhalfen. Manchem Schüler blieb wohl bis zum Abend nichts anders mehr übrig, als sich gleich alles abzurasieren, um die Löcher, die die Verdugos hineingeschnitten hatten, verschwinden zu lassen. Andy mußte mit Claribel "Den Pirulino" (Titellied zu einer beliebten Fernsehserie aus Kolumbien) tanzen und hatte natürlich keine Ahnung, wie das geht, aber die Kinder auch fast nicht, also war's nicht so schlimm. (c: Das ganze dauerte über 2 Stunden, die wir in der prallen Mittagssonne saßen und brieten. Als Claribel am Ende wieder zu uns kam, war sie überglücklich. Andy hatte ihr eine kleine Armbanduhr geschenkt und genau das hatte sie sich wohl gewünscht. Juan lud uns daraufhin noch zu einem Mittagessen in seinem Haus ein. Wir haben gleich die Gelegenheit genutzt, um sein nun fast fertiges Bad zu bewundern. Es ist wesentlich größer ausgefallen, als es ursprünglich geplant war, aber wird wirklich sehr schön. Nun fehlen ihm noch Türen und dann, wenn alles diebstahlgesichert ist, wird er die Badmöbel einbauen. Es hat alles so lange gedauert, weil er parallel dazu noch eine Mauer um sein Grundstück ziehen will. Seine "lieben" Nachbarn bzw. Streuner haben ihm u.a. schon sein Schwein geklaut und er hat Angst, daß sie ihm auch sein Bad ausräumen. Sobald es dann ganz fertig ist, schicken wir Euch ein Foto. Am Abend war dann noch ein großer Laternen-Umzug der selben Schule, zum Hauptplatz und zurück in die Schule, wo dann noch ein bunter Abend stattfand. Alles anläßlich des 50. Gründungsjubiläums. Die Laternen haben die Kinder alle selber gemacht und waren Motive wie Schiff, Blume, Biene, Vogel, Kürbis, Flugzeug, Bär, Spitzmaus, Wappen, Hase, Frosch uvm.
Der bunte Abend war dann ganz nett gestaltet. Es waren Klassen von anderen Jaéner Schulen eingeladen, die verschiedene Beiträge lieferten: typische Tänze, Gedichtvorträge, moderne Tänze, Gitarrengruppen, Sänger usw. Am Sonntag war wie auch bei Euch Muttertag. Das Radio hatte dazu schon die letzten 2 Wochen Geschenkkörbe ("Canasta") von Firmen und Geschäften in Jaén gesammelt und diese insgesamt 29 zum Teil sehr wertvollen Pakete wurden bereits am Samstag von Radiomitarbeitern und Helfern an die ärmsten Familien im Sendegebiet verteilt. Dabei waren wir natürlich auf die Mithilfe von Bürgermeistern und anderen Einwohnern angewiesen. Manche "Canasta" wurden mit bekannten Kombi-Fahrern nach San Ignacio geschickt und vom dortigen Bürgermeister übergeben, andere haben Radiomitarbeiter selber in die Dörfer gebracht. Für uns ist es immer wieder erstaunlich, zu sehen, wie die Leute sich doch gegenseitig versuchen, zu helfen. Die Armut ist hier ein von allen gleichermaßen getragenes Leid, aber wer kann, hilft dem anderen. Heute, am Muttertag selber waren wir, Andy und Heidi, daheim und haben für Euch diesen Rundbrief aufgesetzt :-)) So langsam geht für uns ja auch die Zeit im Radio zu Ende. Geplant war bis Ende Mai, da es aber nun noch etwas Zeit braucht, bis Ralph, Andys Nachfolger endgültig alles übernehmen kann und auch Heidis Nachfolger Carlos froh ist, wenn noch mehr Zeit ist, haben wir uns entschlossen, noch bis Ende Juni im Radio aktiv mitzuarbeiten oder zumindest einfach da zu sein, wenn noch Fragen sind. In den letzten Monaten haben sich für uns auch privat einige Dinge geändert, die wir Euch erzählen wollen. Wir haben uns nämlich dazu entschlossen, hier in Peru ein Kind zu adoptieren. Ja, richtig gelesen! :-) Die Sache mit den Adoptionen ist in Peru, seit es ein neues Adoptionsgesetz gibt, sehr klar und gut geregelt. Ausreisen aus Peru können wir Ausländer nur mit Kindern, die alle Papiere von der offiziellen Stelle für Adoptionen PROMUDEH haben, das heißt von ihr vermittelt wurden. Vorher war der Kinderhandel hier leider sehr groß, so daß wir voll hinter dem Gesetz stehen. Zeitlich sieht die ganze Sache so aus: Ausländer müssen mindestens 2 Jahre im Land Wohnsitz haben, bevor sie adoptieren können. Für uns heißt das, daß wir noch bis Ende Oktober in Peru bleiben müssen. Ab diesem Zeitpunkt kommen wir dann auf die Warteliste und müssen einfach warten, bis uns ein Kind zugeteilt wird. Danach sieht das Gesetz eine 3jährige Nachkontroll- zeit vor, mit halbjährigen Kontrollen, die aber (ab der zweiten) auch von einer dazu autorisierten Stelle im Ausland durchgeführt werden können. In einer Großstadt wie München dürfte das kein Problem sein. Tja, aus diesem Grunde werden wir wohl noch eine zeitlang hier in Peru rumhängen. Was heißt das für Euch, unseren Förderkreis? Unser "offizieller" INES-Aufenthalt wird, sollte nicht noch was anderes dazwischen kommen, Ende Juni zu Ende sein. Danach sind wir für die Leute im Radio in greifbarer Nähe und werden unsere Freiheit nützen, den Agraringenieur Félix oder die Presseabteilung auf ihren diversen Fahrten aufs Land oder in andere Dörfer der Umgebung zu begleiten. Dafür hatten wir das ganze letzte Jahr leider zu wenig Zeit, wollten es aber immer machen, um Land und Leute noch besser kennenzulernen. Die Zeit mit INES ist aber Ende Juni vorbei und ab diesem Zeitpunkt haben wir dann offiziell nichts mehr mit dem Radio zu tun. Wir möchten Euch also bitten, Eure Daueraufträge und sonstigen Überweisungen auf das Jesuiten-Konto in Nürnberg einzustellen *schnief*, da wir danach ja rein privat hier sind. Wer nun nicht weiß, wohin mit seinem Geld, für den hätten wir schon ein paar Ideen für gute Projekte hier im Land. Wenn Ihr daran Interesse habt, dann schreibt uns und wir geben Euch genauere Infos. Was machen wir mit den Resten vom Förderkreis? Im Juli, wenn es ruhiger ist, werden wir INES und Euch eine vorläufige Abrechnung schicken, aus der hervorgeht, was mit Eurem Geld passiert ist. Da wir ein bißchen sparsamer waren, als wir ursprünglich geplant hatten, wird uns ein recht großer Betrag (ca. 5000 EUR) übrigbleiben, den wir hier noch sinnvoll einsetzen wollen. Wir haben schon ein paar Ideen, darüber müssen wir aber erst noch ein wenig schlafen und werden Euch mit unserem INES-Abschlußbericht darüber informieren. Vielen Dank nochmal für Eure Unterstützung auch im Namen des Radios und aller unserer peruanischen Freunde, die unsere Anwesenheit ganz gut überlebt haben. :-)) Wir werden alle von Euch, die eine email-Adresse haben, weiterhin auf dem Laufenden halten, was wir hier treiben, sofern ihr daran Interesse habt. Wenn nicht, dann sagt uns bitte einfach Bescheid. Und von was werden wir hier leben? Ersparnisse und z.B. Gelegenheitsjobs, um anderen Firmen mit Buchhaltung oder EDV auf die Sprünge zu helfen, davon gibt's hier mehr als genug. Und das Leben hier ist zum Glück nicht sehr teuer. Außerdem wird Andy im Herbst anfangen, von hier aus bei einer deutschen Internet-Firma zu arbeiten. Dank Telefonanschluß (den wir uns dann legen lassen) und eigenem Laptop ja zum Glück alles machbar. Außerdem dürfen wir nach wie vor die Resourcen vom Radio benutzen, hat uns Paco zugesagt. So, jetzt seid Ihr wieder über die Neuigkeiten aus Jaén informiert. Nochmals ein herzliches Dankeschön an Euch alle und bis bald.
Eure Freunde
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