Heidis Geburtstag im Radio MarañónMein Geburtstag, ja das war ein Tag, den ich bestimmt nicht so schnell vergessen werde. Es ging in der Früh schon los, daß wir kein Wasser hatten. Dieses Problem konnten wir aber zum Glück noch irgendwie meistern, da wir Wasservorräte hatten. Zwar nicht viel, aber es hat gereicht. Da wir am Sonntag mitmachen wollen beim "bicicross", den das Radio zusammen mit einem Radlhändler ausrichtet, hatten wir für diesen Tag vor, die Route mit ein paar Leuten, die sie kennen, abzufahren. Uns wurde sie mit einer Länge von 50 km und einem Fahrtschnitt von 30 km/h angekündigt. Das wollten wir aber nicht glauben :-) Mit etwas zeitlicher Verspätung (geplant war 10 Uhr, los sind wir dann um 11:30 Uhr) - was hier teilweise ganz normal ist - sind wir dann in der größten Hitze losgezogen. Ich mit meinem neuen Radl und Andy mit einem Leihrad. Wir haben uns ausgerechnet, daß wir uns Fahrräder leisten können, da wir dadurch die Mototaxis einsparen. Und irgendeinen fahrbaren Untersatz braucht man hier. Andy kriegt auch ein Rad, aber so ein großer Rahmen mußte erst bestellt werden. Wir haben uns im Radio, wo es Wasser gab, noch schnell unsere Trinkflaschen aufgefüllt. Ja, dann gings also los. Die erste Strecke, so ca. 5 km, war herrlich zu fahren. Ging zwar über Stock und Stein, war aber gut zu fahren. Und die Landschaft - herrlich (auch wenn kaum Zeit war, groß rumzuschauen). Dann kam leider ein Teil, wo wir mit den Rädern nicht mehr vom Fleck kamen, weil es zu batzig und vorallem zu lehmig war. Sowas hab ich echt noch nie erlebt. Die Räder haben blockiert, weil der ganze Batz nicht mehr durch die Gabeln durchging. Wir haben die Räder ein ganzes Stück tragen müssen, bis wir wieder (nach gründlicher Radlputzaktion) fahren konnten. Später kam dann nochmal so eine Stelle. Wir mussten auch durch 3 kleinere Flüsse durchfahren, hatten viel Spaß, wenn eine(r) mitten im Fluss absteigen mußte und haben dann gleich Radl gewaschen (hab ich schon gesagt, daß ich am Sonntag - sofern wir fahren - die einzigE TeilnehmerIN sein werde und es auch an diesem Tag war?). Wir sind ziemlich weit nach Osten Richtung Regenwald gefahren, wos natürlich auch immer Tendenz abwärts ging. Nach ca. 2 Std. standen wir dann plötzlich vor dem Rio Marañón, der wirklich recht weit östlich von Jaen ist. Mit dem Auto sind ca. 30 Minuten Fahrzeit. Da wurde mir und Andy ziemlich schnell bewußt, daß das mit den 50 km wohl kein Witz war und wir noch ein ganz schönes Stück vor uns haben. Ich hatte dann noch zwei Platten, zum Glück hatte aber Juan, einer der Mitfahrer, komplettes Flickzeug dabei und hat die Löcher auch in einer Affengeschwindigkeit geflickt. Bis hierher hatten wir eine tolle Tour und sind auch immer in der Gruppe gefahren. Aber dann fings an wolkenbruchartig zu regnen und wir sind auch auf die carretera (grosse Landstraße) rausgefahren. Da waren die anderen ziemlich schnell weg und wir wußten, am Sonntag haben wir keine Chance gegen die. Mit unserer Kondition! Auf der carretera wars dann echt öd und schlecht zu fahren. Die Strasse hatte zwar einen festen Sandbelag, war aber oberflächlich ein totaler Fluß, hatte tausende von Schlaglöcher und wieder Batz. Wir sind kaum vom Fleck gekommen und dazu gings auch noch stetig bergauf. Nach ca. 1 Std. hatten wir beide kaum mehr Kraft und Andy konnte nicht mehr sitzen, weil ihm der Sattel einfach nicht gedaut hatte. Zum Glück war Jaén schon in Sichtweite. Und was kam dann daher??? Der Jeep vom Radio! Die Leute hatten sich Sorgen gemacht, da wir unterwegs über einen großen Fluß mußten. Bloß gabs da eine Brücke, was die aber nicht wußten. Da durch den Regen die Flüsse ziemlich angestiegen waren, wären wir da wahrscheinlich sonst auch wirklich nicht oder nur sehr schwer drüber gekommen. Mensch, haben wir uns gefreut, das Auto zu sehen. Wir haben dann auch gar nicht lange überlegt und sind mit unseren Rädern sofort auf die Ladefläche und zurück nach Jaén. Das war eine Tour! Zurück in Jaén gabs dann zum Glück wieder Wasser, so daß wir uns und die Räder duschen konnten und ich hab auch gleich noch die Klamotten durchs Wasser gezogen. Wir haben dann erfahren, daß Leute vom Radio uns, bzw. mich, mittags überraschen wollten und zu unserem Haus kamen, um mit uns zum Mittagessen zu gehen. Die dachten halt, daß wir die Tour, wie angekündigt, in 2 Std. schaffen. Daß wir dafür knappe 5 (FÜNF) brauchten, war nicht geplant. Da wir aber mittags nicht da waren, wurde kurzfristig für abends was geplant und uns wurde gesagt, daß wir um 8:15 Uhr wieder am Radio sein sollten. Nach dem Duschen haben wir uns dann was zum Essen gekocht und da es schon spät war (nach 18 Uhr), war die Sonne schon weg, wir brauchten also Licht. Das ging auch eine Zeit lang gut, und dann war Stromausfall und wir haben richtig schön romantisch mit Kerzenlicht was gegessen :-) (Da wir einen Gasherd haben, konnten wir zumindest fertig kochen.) Abspülen fiel mangels Licht aus. Als wir dann losgingen, gabs kurzzeitig wieder Licht. Oben im Radio haben die Leute dann das Auditorium, den großen Saal, zum Tanzen hergerichtet, hatten Musik vorbereitet und pollo. Es waren fast alle Leute vom Radio da, teilweise mit Kindern. Ich hab mich riesig gefreut. Lucha, die administradora, mit der ich hauptsächlich arbeite, hat dann für mich eine kleine Ansprache gehalten, in welcher sie sich bedankt hat, daß ich bzw. wir da sind und daß sie sehr gerne mit mir arbeitet. Hat mich gefreut. Wir haben also angestoßen, was gegessen und dann getanzt, bis der Strom um 22:30 Uhr wieder ausgefallen ist. Andy hatte unsere Videocamera dabei und hat dann erstmal mit dem Licht der Kamera die in der Dunkelheit plötzlich sehr hektisch werdenden und total angsthabenden Peruaner ins Freie lotsen können. Die Reaktion der Leute hat uns echt verwundert. Stromausfall ist hier doch was fast alltägliches aber irgendwie waren wir beiden fast die einzigen, die das gelassen gesehen haben. Die Kinder hatten total Angst und haben geweint, Erwachsene fingen an, Richtung Ausgang zu rennen - mit diesen Reaktionen hätten wir wirklich als letztes gerechnet in so einem Land. Andy und zwei andere sind dann gegangen und haben den Notstromaggregat vom Radio angeworfen, woraufhin die Leute wieder ruhiger waren. Aber es war schon toll. Die ganze Stadt stockfinster. Man hat Glühwürmchen gesehen und Sterne. Nach einiger Zeit (ca. 20 min) war der Strom in der Stadt wieder da (dachten wir zumindest). Nach und nach sind die Leute dann heimgefahren und wir auch. Bloß, überall war Strom aber nicht in unserem Viertel :-) Wir sind also wieder mit der Kerze in der Hand durch die Wohnung gegeistert und schliesslich voll der vielen Eindrücke ins Bett gefallen. Heute tut uns beiden das Kreuz von den vielen Schlaglöchern weh und Andy kann kaum sitzen :-). Der erwartete große Muskelkater blieb aber aus. In der Früh ging zwar wieder das Licht, dafür war aber zur Abwechslung mal wieder kein Wasser da. Da es auch die ganze Nacht geregnet hat, sind wir uns noch nicht sicher, ob wir am Sonntag nun mitfahren oder nicht. Wenn es weiter regnet, wird die Strecke noch mehr aufgeweicht und wenn es so schlecht ist, wie gestern, fahren wir nicht. Wenn es noch mehr regnet, wird es wohl auch mehr ein Radltragen als Fahren. Und da haben wir wenig Lust drauf. Das hat uns gestern schon ziemlich gereicht. Aber es hat uns riesig Spass gemacht (bis auf den letzten Teil, wos wirklich nur an der Strasse entlang ging) und bei schönem Wetter werden wir die Strecke auf jeden Fall nochmal abfahren. Soviel nun von diesem Tag, in dem eigentlich (ausser Arbeiten) alles drin war, was das Wetter und die Gemeinde hier bieten können: Sonnenschein, Regen wie aus Kübeln, Stromausfall, kein (Leitungs-) Wasser, sobald Wasser da, nur total verdreckt (-> abpumpen mit unserer tollen Filterpumpe) - aber insgesamt ein echt toller Tag. Achja, sowas wie Geschenke gibt's hier wohl weniger. Ich hab auf jeden Fall von den Leuten nix bekommen und das fand ich auch gut. Die sollen mir nix schenken. Die Feier und das pollo waren schon genug Geschenk für mich. Diesen Geburtstag werde ich wirklich nicht so schnell vergessen, alles in allem ein super und erlebnisreicher Tag.
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